Reperto

Tablets auf der Bühne

8 Min. Lesezeit

Die Mappe mit Blättern hat weitgehend ausgedient: Die meisten Musiker lesen auf der Bühne vom Tablet oder Handy. Aber das Gerät auf den Ständer zu stellen und eine App zu öffnen, ist noch nicht die ganze Arbeit — schläft der Bildschirm mitten im Lied ein, ist der Text auf Armlänge unlesbar oder geht der Akku im zweiten Set aus, sieht die Mappe plötzlich wieder gut aus. Dieser Text sammelt alles, was man einmal richtig einstellen sollte.

Tablet oder Handy?

Die Antwort hängt davon ab, wo du stehst: vom Abstand zwischen Augen und Bildschirm. Wer im Sitzen Gitarre spielt, kommt mit dem Handy zurecht; wer einen Schritt hinter dem Mikrofon steht, empfindet alles unter zehn Zoll als anstrengend.

BildschirmFunktioniert beiTypischer Einsatz
5–6,5″ Handy40–60 cmIm Sitzen, Probe, Ersatzgerät
8″ Tablet60–80 cmAuf dem Keyboard, am Mikrofonständer geklemmt
10–11″ Tablet80–110 cmIm Stehen — die häufigste Wahl
12,9″ Tablet100–130 cmNotenlesen (PDF), Orchesteraufbauten
Der praktische Zusammenhang von Bildschirmgröße und Leseabstand.

Für Akkorde und Text reichen zehn Zoll mehr als aus. Noten aus PDFs zu lesen ist etwas anderes: Dort muss die ganze Seite auf einen Blick sichtbar sein, und 12,9 Zoll helfen wirklich.

Lesbarkeit: Größe, Kontrast, dunkles Design

Was sich im Proberaum bequem liest, wirkt auf der Bühne klein. Der Grund ist einfach: Das Gerät steht weiter weg, das Licht wechselt ständig, und deine Augen sind gleichzeitig beim Publikum und bei der Band.

  • Stell die Schriftgröße aus Spielentfernung ein. Gerät auf den Ständer, und schau von dort, wo du wirklich stehst; eine am Schreibtisch gewählte Größe ist fast immer zu klein.
  • Nimm ein dunkles Design. Im dunklen Saal blendet ein weißer Hintergrund und ruiniert die Nachtsicht; helle Schrift auf dunklem Grund liest sich besser und strahlt nicht ins Publikum.
  • Schalte die automatische Helligkeit aus. Bühnenlicht lässt sie bei jedem Farbwechsel springen — stell sie fest ein.
  • Heb die Akkorde hervor. Ein Layout, das Akkorde durch Farbe oder Gewicht vom Text trennt, verhindert, dass du beim Aufschauen die Zeile verlierst.
  • Wenn du nur singst, blende die Akkorde aus. Auf dem Schirm der Stimme sind sie nur Ballast.

Trifft Bühnenlicht direkt auf den Bildschirm, ist eine matte Schutzfolie die billigste wirksame Lösung. Ein glänzender Bildschirm wirkt unter einem Spot wie ein Spiegel.

Verhindere, dass der Bildschirm einschläft

Der ärgerlichste Moment auf der Bühne: Du schaust nach einem langen Instrumentalteil hinunter und der Bildschirm ist dunkel. Jede Minute, in der du das Gerät nicht berührst, gilt dem System als Untätigkeit.

  • Aktivier die Wachhalten-Einstellung der App. Eine gute Bühnen-App schaltet die Bildschirmsperre selbst ab, solange ein Lied offen ist.
  • Sonst verlängere sie in den Systemeinstellungen. Android: Display → Bildschirm-Timeout. iOS: Anzeige & Helligkeit → Automatische Sperre → Nie.
  • Stell es nach dem Auftritt zurück. „Nie“ stehen zu lassen zieht den Akku den ganzen nächsten Tag leer.

Benachrichtigungen stummschalten

Ein Nachrichtenbanner, das mitten im Refrain den oberen Bildschirmrand verdeckt, vergisst man nicht. Das Gerät lautlos zu stellen reicht nicht — Benachrichtigungen müssen auch optisch verschwinden.

  • Schalte „Nicht stören“ ein. Das legt Ton und Banner gleichzeitig still.
  • Denk an den Flugmodus — mit einer Einschränkung. Er schaltet auch WLAN und Bluetooth ab; wenn du dich mit der Band synchronisierst oder ein Funk-Pedal nutzt, aktivier den Flugmodus und schalte WLAN oder Bluetooth danach von Hand wieder ein.
  • Deaktiviere automatische Updates. Ein App-Update mitten im Set kostet Akku und Aufmerksamkeit.
  • Sperr die Bildschirmdrehung. Ein schräg stehendes Tablet kippt sonst im ungünstigsten Moment zwischen Hoch- und Querformat.

Akku und Laden

Ein Tablet mit dauerhaft eingeschaltetem, hellem Bildschirm verbraucht deutlich mehr als sonst. Ein Zehn-Zoll-Tablet, das mit 100 % startet, übersteht meist einen Abend mit zwei Sets — aber Soundcheck und Wartezeit gehen von derselben Ladung ab.

  • Geh voll geladen auf die Bühne. Nach dem Soundcheck wieder anstecken.
  • Nimm ein Kabel mit. Eine Steckdose findet sich im Club meistens, ein Kabel nicht.
  • Eine Powerbank ist die sicherste Rückversicherung. Vor dem Auftritt anschließen und hinten am Ständer befestigen.
  • Führ das Kabel so, dass niemand stolpert. Kabelführung auf der Bühne ist eine Sicherheitsfrage.

Ständer und Platzierung

Wohin du das Gerät stellst, zählt mehr als die Wahl des Geräts. Ein Bildschirm im falschen Winkel ist unlesbar und zwingt dich, bei jedem Blick den Kopf zu drehen.

  • Stell ihn knapp unter Augenhöhe. Er soll nicht zwischen dich und das Publikum geraten, du sollst dich aber auch nicht vorbeugen müssen.
  • Eine Mikrofonständer-Klemme ist die praktischste Halterung. Für Sängerinnen und Sänger braucht es nichts anderes.
  • Ein Notenständer geht auch. Auf einem klassischen Pult braucht das Tablet eine rutschfeste Auflage.
  • Prüf, wie fest die Klemme sitzt. Bühnenvibration lässt eine lockere Klemme langsam nach unten wandern.

Umblättern, wenn beide Hände belegt sind

Das ist die eigentliche Schwäche des Bildschirms: Eine Papierseite umzublättern dauert eine Sekunde, auf dem Schirm ist es mit beiden Händen am Instrument wirklich schwierig. Es gibt drei Antworten:

  • Automatisches Scrollen. Eine feste, auf das Lied abgestimmte Geschwindigkeit funktioniert gut bei Stücken, die ihr Tempo halten.
  • Ein Bluetooth-Pedal. Fußpedale senden Tastenanschläge und arbeiten deshalb mit den meisten Apps. Für Bläser und Streicher ist das die einzige realistische Möglichkeit.
  • Das Lied auf einen Bildschirm bringen. Die einfachste Antwort ist oft die beste: eine Schriftstufe kleiner, das ganze Lied passt — und das Umblättern entfällt.

Lies dein Set einmal in der Probe mit dem echten Bühnenaufbau durch — gleiche Schrift, gleicher Ständer, gleicher Abstand. Erst dort siehst du, wie viele Lieder auf einen Bildschirm passen.

Halt eine Rückfallebene bereit

Geräte fallen um, Apps schließen sich, Akkus leeren sich schneller als gedacht. Das ist selten — aber wenn es passiert, steckst du mitten im Abend.

  • Halte dasselbe Repertoire auf einem zweiten Gerät. Dein Handy ist die Sicherung des Tablets.
  • Vergewissere dich, dass die App ohne Internet läuft. Club-WLAN fehlt oft oder bricht in der Menge zusammen; deine Lieder gehören aufs Gerät, nicht in eine Cloud.
  • Für wichtige Abende: die Setlist auf Papier mitnehmen. Nur Titel und Tonarten — eine Seite reicht.

Mit der Band auf derselben Seite bleiben

Sobald alle auf den eigenen Bildschirm schauen, entsteht ein neues Problem: Wer wechselt wann zum nächsten Lied? Auf Papier gab es das nicht, weil die Liste gemeinsam und unveränderlich war.

Die Lösung: Die Geräte folgen einander. Wählt eine Person — meist die Bandleitung — ein Lied, wechseln alle verbundenen Bildschirme dorthin, in dieselbe Tonart. Das geht auf zwei Wegen: über dasselbe WLAN oder, wenn der Ort gar kein Netz hat, direkt über Bluetooth. Wichtig ist eine Lösung, die nicht auf eine Internetverbindung angewiesen ist; in einem vollen Saal sind weder Mobilfunk noch Club-WLAN verlässlich.

Reperto hält im Bühnenmodus den Bildschirm wach, speichert die Lieder auf dem Gerät (kein Internet nötig) und synchronisiert die Band über WLAN oder Bluetooth — wechselt die Bandleitung Lied oder Tonart, folgen alle Bildschirme. Die Einrichtungsschritte stehen in der Anleitung.

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